Zitate von Rudolf Steiner

Wenn Sie nicht den Mut dazu bekommen, die Loslösung der Schule vom Staat zu erstreben, dann ist die ganze Waldorfschul-Bewegung

Man muss den alten Zopf bekämpfen, der auf staatlicher Grundlage das Schulwesen aufbauen will! Man muss danach streben, es zu erzwingen, dass das freie Geistesleben seine vollberechtigte freie Schule bauen kann! Wir wollen nicht von Staates Gnaden Winkelschulen errichten.

Trennung von Arbeit und Einkommen

Nein, in der Wirklichkeit lebt das Gesetz [Soziales Hauptgesetz] nur so, wie es leben soll, wenn es einer Gesamtheit von Menschen gelingt, solche Einrichtungen zu schaffen, daß niemals jemand die Früchte seiner eigenen Arbeit für sich selber in Anspruch nehmen kann, sondern doch diese möglichst ohne Rest der Gesamtheit zugute kommen. Er selbst muß dafür wiederum durch die Arbeit seiner Mitmenschen erhalten werden. Worauf es also ankommt, das ist, daß für die Mitmenschen arbeiten und ein gewisses Einkommen erzielen zwei voneinander ganz getrennte Dinge seien.
 

Soziales Hauptgesetz - Das Heil einer Gesamtheit

Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden. Alle Einrichtungen innerhalb einer Gesamtheit von Menschen, welche diesem Gesetz widersprechen, müssen bei längerer Dauer irgendwo Elend und Not erzeugen.

Jetzt muss das Hineinleben in die Wirtschaft immer bewusster und bewusster werden.

In früheren Zeiten lebte sich der Mensch instinktiv in das Wirtschaftsleben hinein. Jetzt muss das Hineinleben in die Wirtschaft immer bewusster und bewusster werden. So wie der Mensch - ich sagte es schon - schulmäßig das Einmaleins lernt, wie er andere Dinge schulmäßig lernt, so muss er schulmäßig in der Zukunft die Dinge lernen, die sich auf das Leben in dem sozialen Organismus, auf das wirtschaftliche Leben beziehen.

Der Mensch muss sich fühlen können als ein Glied des Wirtschaftsorganismus. Es wird freilich für manche Menschen eine Unbequemlichkeit sein, weil schon einmal andere Denk- und Empfindungsgewohnheiten eingerissen sind, welche durchgreifende Änderungen erfahren müssen. Nicht wahr, wenn heute einer nicht wissen würde, wieviel drei mal neun ist, so würde er für einen ungebildeten Menschen gehalten werden. In manchen Kreisen wird einer schon für einen ungebildeten Menschen gehalten, wenn er nicht weiß, wer Raffael oder Leonardo war. Aber man wird im allgemeinen in gewissen Kreisen heute nicht für einen ungebildeten Menschen gehalten, wenn man keinen rechten Aufschluss zu geben vermag über das, was Kapital ist, was Produktion, was Konsumtion in ihren Verhältnissen sind, was Kreditwesen ist und so weiter, gar nicht zu reden davon, dass die wenigsten Menschen eine klare Vorstellung von dem haben, was ein Lombardgeschäft ist und dergleichen.

Nicht nur dem Zwang zur Arbeit unterliegen, sondern das Recht der Muße, welche das Verständnis für geistige Güter weckt

Nicht nur die Hervorbringung, sondern auch die Aufnahme dieses Geisteslebens durch die Menschheit muss auf dem freien Seelenbedürfnis beruhen. Lehrer, Künstler usw., die in ihrer sozialen Stellung nur im unmittelbaren Zusammenhange sind mit einer Gesetzgebung und Verwaltung, die aus dem Geistesleben selbst sich ergeben und die nur von dessen Impulsen getragen sind, werden durch die Art ihres Wirkens die Empfänglichkeit für ihre Leistungen entwickeln können bei Menschen, welche durch den aus sich wirkenden politischen Staat davor behütet werden, nur dem Zwang zur Arbeit zu unterliegen, sondern denen das Recht auch die Muße gibt, welche das Verständnis für geistige Güter weckt. Den Menschen, die sich 'Lebenspraktiker' dünken, mag bei solchen Gedanken der Glaube aufsteigen: Die Menschen werden ihre Mußezeit vertrinken, und man werde in den Analphabetismus zurückfallen, wenn der Staat für solche Muße sorgt, und wenn der Besuch der Schule in das freie Verständnis der Menschen gestellt ist. Möchten solche 'Pessimisten' doch abwarten, was wird, wenn die Welt nicht mehr unter ihrem Einfluss steht. Dieser ist nur allzu oft von einem gewissen Gefühle bestimmt, das ihnen leise zuflüstert, wie sie ihre Muße verwenden, und was sie nötig hatten, um sich ein wenig 'Bildung' anzueignen. Mit der zündenden Kraft, die ein wirklich auf sich selbst gestelltes Geistesleben im sozialen Organismus hat, können sie ja nicht rechnen, denn das gefesselte, das sie kennen, hat auf sie nie eine solch zündende Kraft ausüben können.

Was früher richtig war in der geschichtlichen Entwicklung der Menscheit, kann heute zum Irrtum werden

Man will sich nicht leicht zu der Einsicht bequemen, die auf diesem Gebiete heute unbedingt notwendig ist. Es ist die, dass in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit in einer späteren Zeit zum Irrtum werden kann, was in einer früheren richtig ist.

 

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