Den Mann von seiner Fließbandabhängigkeit zu befreien und ihm einen Arbeitsplatz zu geben

"Deshalb gebe ich ihm [dem Arbeiter, dem Menschen] ja meinen erweiterten Kunstbegriff, damit er sich bewußt wird, was er da überhaupt macht in seiner Arbeit. Es wissen ja heute schon viele, daß ich ihnen auch die nötige Freizeit besorgen werde, denn mein Kunstbegriff richtet sich doch ganz gezielt auch auf die Veränderung des Arbeitsbegriffes. Also, dieser Fabrikarbeiter könnte doch sagen: So, jetzt solidarisiere ich mich nur noch mit Kunst, weil mir der Beuys erklärt hat, daß nur mit dieser Sache die ganze Scheiße, in der ich hier stehe, in Bewegung gebracht werden könnte. Meinen Sie vielleicht, es wäre die Aufgabe eines erweiterten Kunstbegriffes, diese Scheißbetten da ins Museum zu stellen? Die sind doch höchstens ein Zwischenträger, damit sich die Diskussion immer wieder erhitzt an dieser Frage, damit offenbar wird, daß es kein anderes Mittel gibt als die Kunst, um die Verhältnisse, in denen wir stehen, zu verändern, also den Mann von seiner Fließbandabhängigkeit zu befreien und ihm einen Arbeitsplatz zu geben, der aus der Einseitigkeit rausführt."


Joseph Beuys, 1980 in der Mai-Ausgabe des Männermagazins "Penthouse"


Nach oben