Heinz Hilgers, über den Kampf gegen Kinderarmut.
In einem Interview des Deutschlandradios, zu Hartz IV und Kinderarmut, spricht Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, über die unterschiedliche staatliche Wertschätzung von Kindern. Kinder reicher Eltern sind dem Staat mehr wert.
dradio: Der Mindestunterhalt, der z.B. Scheidungskindern in Deutschland zusteht, ist um einiges höher als die Hartz IV Sätze für Kinder. Leben denn Kinder in Deutschland in einem Zweiklassensystem?
Hilgers: In einem Vielklassensystem. Das ist ja auch so, dass durch die Kinderfreibeträge, die gerade erst wieder erhöht worden sind, denen die ganz viel verdienen ohnehin ein Kindergeld von 260,- EUR zusteht. Und zwar dadurch, dass 42% von den über 7000,- EUR Kinderfreibetrag, geteilt durch 12 Monate, schon diesem Betrag ausmachen, als Steuerersparnis. Und wenn die dann auch noch ihr Kind betreuen lassen, können sie noch mal 4000,- Freibetrag absetzen. Und wenn sie das Kind in eine Privatschule tun und zahlen Schulgeld, können sie auch 5000,- absetzen. Das bedeutet, sie können im Ergebnis fast 500,- EUR an Steuerersparnis bekommen. Und mit Baukindergeld, wenn sie bauen, dann noch mal 800,- Nettoertrag dazu. Also, dem Staat sind die Kinder in Deutschland schon sehr viel unterschiedlich wert. Es gibt Kinder die sind ihm 500,- und mehr wert und es gibt Kinder, die sind ihm nur die Hartz IV Sätze wert.
dradio: ...Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die Politik auch die richtigen Reformen auf den Weg bringt?
Hilgers: Die richtige Reform, das wäre eine allgemeine Grundsicherung für alle Kinder. Und da liegen ganz viele Vorschläge auf dem Tisch, von der Caritas vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, vom Kinderschutzbund, vom Aktionsbündnis für eine Grundsicherung und damit sollte die Politik sich auseinandersetzen. Es geht nämlich nicht nur um die Hartz IV Kinder. Es gibt mittlerweile so viel Kinder in unserem Land, die leben bei Familien, die ganz knapp über Hartz IV verdienen. Und denen geht es manchmal genau so schlecht wie auch den Hartz IV Empfämgern. Auch die müssen wir im Blick haben. Und da ist einfach die Kindergrundsicherung, die wir dann besteuern sollten, damit starke Schultern mehr tragen als schwache. Das heißt also die hohe Steuern zahlen, sollten davon 42% weniger kriegen und die keine Steuern zahlen, weil sie nur Durchschnittsverdiener sind, sollten den vollen Betrag kriegen. Und da sage ich, dann hätten wir ein gerchtes System. Es gibt kein Land auf der Welt, das den Kindern reicher Familien, mehr gibt als den armen. Das ist nur in Deutschland so. Alle anderen machen das umgekehrt.
Dieses "Sozialstaatsprinzip", welches Wohlhabende mehr unterstützt als Arme, wird auch bei dem Elterngeld sichtbar. Denn die Höhe des Elterngeldes ist nicht abhängig vom Elternstatus, wie der Begriff Elterngeld vermuten lässt, sondern von der Höhe des bisherigen Erwerbseinkommens. Auch hier stehen nicht das Kind oder deren Eltern im Vordergund, sondern der Status der Erwerbtätigkeit.














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