"Das bedingungslose Grundeinkommen macht nicht faul"
...Was, wenn der Staat jedem Bürger genügend Geld zum Leben zahlte? Die Gesellschaft würde davon profitieren, sagen ein Arbeitspsychologe und ein Philosoph im Interview.
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Theo Wehner: Ich würde sagen, dass Vollbeschäftigung eine utopischere Vorstellung ist als die eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Gesellschaft wird nicht auf technische und soziale Innovationen verzichten, und sollte es auch nicht. Das bedeutet zwangsläufig auch Rationalisierung. Gleichzeitig gelingt es den entwickelten Arbeitsgesellschaften nicht, Rationalisierungsgewinne gerecht beziehungsweise zum Nutzen aller zu verteilen. Das Ergebnis sind Resttätigkeiten, Dequalifizierung und Arbeitslosigkeit für die Einen und Arbeitsverdichtung, Selbstausbeutung und Erschöpfung für die Anderen.
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Sascha Liebermann: Bei der FDP ist von "Aktivierung" und "Anreiz", von "Findigen" und "Faulen" die Rede, als leide unser Sozialsystem am Missbrauch. Dabei ist der diagnostizierte Missbrauch Ausnahme und nicht Regel. Viel eher können wir im Alltag erkennen, wie groß die Bereitschaft zum Engagement ist. Von Trainern im Jugendsport über Aufsichtspersonal in Museen bis zur Freiwilligen Feuerwehr.
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Wehner: Ein Grundeinkommen macht genauso wenig faul, wie Erwerbsarbeit grundsätzlich fleißig macht. Der Mensch ist ein tätiges Wesen.
Liebermann: Ohne bürgerschaftlich Engagierte gäbe es ebenfalls viele Leistungen nicht. An vielen Stellen treffen wir auf das Phänomen, dass Menschen auf der Basis eines inneren Antriebs, der sich lebensgeschichtlich gebildet hat, tätig sind. Eines äußerlichen Stimulus, eines externen Anreizes, bedarf es nicht. Mit einer Einkommenssicherheit könnten sich die Menschen der Entfaltung dieses inneren Antriebs viel einfacher stellen. Es würde also eher wohlstandsfördernd wirken.
ZEIT ONLINE: Ist es nicht eher so, dass man versuchen würde einen Mitarbeiter, der über ein gesichertes Grundeinkommen verfügt, im Lohn zu drücken?
Liebermann: Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen setzt sich das Einkommen, über das eine Person verfügt, anders zusammen als heute. Während der Lohn gegenwärtig sowohl die Existenzsicherung leisten als auch den Mitarbeiter würdigen soll, würde das durch das Bedingungslose Grundeinkommen getrennt. Für die Existenzsicherung sorgt das Bedingungslose Grundeinkommen, der Lohn drückt dann nur noch aus, welchen Anteil am Unternehmenserfolg ein Mitarbeiter erhält. Selbst bei niedrigerem Lohn als zuvor könnte ein höheres Gesamteinkommen erzielt werden, weil das Bedingungslose Grundeinkommen ja immer da ist und nicht verrechnet werden soll.
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