Die Plakataktion - Idee und Wirkung
Die Plakataktion und die Kandidatur hatte zwei Ziele. Erstens: Die Idee des Grundeinkommens in den Straßenraum und damit in den Wahrnehmungshorizont der Menschen zu tragen. Zweitens: Die Ernsthaftigkeit, Notwendigkeit und reale Möglichkeit der Verwirklichung der Vision des Grundeinkommens, durch eine politische Forderung sichbar zu machen. Denn dass wir so leben wie wir leben, liegt nicht in den Händen weniger, sondern in unser aller Hände. Darüber wurde am 27.9.2009 abgestimmt, wie es in Zukunft weiter gehen soll.
Dass sich nach wie vor Mehrheiten finden, welche lieber alte Hüte tragen, lieber Altes und Gewohntes denken, sich nach wie vor Illusionen hingeben, wie der planwirtschaftlichen Vollbeschäftigungsideologie, einer hierachischen Zweiklassengesellschaft mit Erwebstätigen und Bedürftigen, anstatt die Souveränität jedes einzelnen Bürgers zu stärken und damit jede freiheitlich demokratische Gemeinschaft, zeigt, dass es viele Ängste vor Änderungen gibt. Was fehlt ist Mut zur Zukunft. Dieses Festhalten-Wollen am Alten, die Zukunft absichern zu wollen mit Konzepten aus der Vergangenheit, macht deutlich, dass verzweifelt versucht wird, einer immer heterogener werdenden und sich ändernden Gesellschaft alte Ordnungsprinzipien weiter überzustülpen. In diesem verzweifelten und vergeblichen Versuch, Menschen zur Disziplin bringen zu wollen z.B. durch Erwerbsarbeit, mit der Begründung einer sog. Leistungsgerechtigkeit, werden alle diejenigen Aufgaben in unserem Gemeinweisen übersehen, welche nicht bezahlt aber um so entscheidender für unsere Gemeinschaft sind, weil sie freiwillig und mit individueller Verantwortung getragen werden und nahezu doppelt so viele Stunden ausmachen, wie bezahlte Arbeit.
Jeder Versuch, Bürgern in unserer Gemeinschaft etwas diktieren zu wollen, führt in die Vergangenheit, führt zurück in Abhängigkeiten und Hierachien und wirft Fragen nach deren Legitimation auf. Aus Hierachien haben sich die Generationen vor uns befreit, weil demokratische Gemeinschaften stärker, kreativer und friedlicher sind. Das Fundament unserer freiheitlich demokratischen Form ist die freiwillige Zugehörigkeit zur Gemeinschaft und die Souveränität des Einzelnen in dieser.
Alte hierachische Ordnungsprinzipien lassen sich aber nur Bürgern überstülpen, welche sich selbst nicht als souverän erkennen. Dass über die Schaffung von Millionen vor Arbeitsplätzen gesprochen wird, nicht aber darüber für wen oder was unsere Arbeit sinnvoll ist, dass "Arbeit muss sich wieder lohnen" gefordert wird anstatt Geld als Voraussetzung für Arbeit und Arbeitssteilung, dass Mindestlöhne gefordert werden anstatt einem Grundeinkommen welches kein Geld ist sondern ein neues Miteinander, zeigt, dass unsere Plakataktion und die dahinterstehende Idee genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort in Aktion traten. Auch wenn sie noch nicht von jedem gesehen und verstanden wurden.
Die Plakataktion, als Bote für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hat viele Emotionen ausgelöst und im Kern zwei unterschiedliche Reaktionen. Einerseits großes Interesse, Neugier, Zustimmung, Begeisterung, Gespräche, Dankbarkeit und Initiativen überall dort wo die Idee auf Offenheit im Menschen stieß. Wochenlang hatten wir so intensive und menschliche Begegnungen durch unsere Aktionen, wie wir es nicht erwartet hatten. Das war sehr interessant auch für uns, dass häufig wenn wir ein Plakat aufhingen oder mit unserem Aktionsmobil irgendwo anhielten es nicht lange dauerte, bis wir angesprochen wurden und sich jedesmal so menschliche und offene und ernste Gespräche entwickelten, dass wir immer sehr gerührt waren. Und die Menschen die uns ansprachen waren es von unserer Initiative auch.
Am wenigsten schien der braunschweiger Bürgermeister Gerd Hoffman von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommen erfahren zu haben und nicht alle zehn braunschweiger Direktkandidaten zu kennen. Ein Geschenk für ihn, am Wahlabend , eine Krone der Souveränität aller Bürger mit einer Postkarte und der Aufschrift "Freiheit
Gleicheit Grundeinkommen" lehnte er humorlos ab und missverstand es als Karnevalsgeste. Allerdings lud er den Überbringer der Krone ein, beim Rosenmontagsumzug auf seinem Wagen sitzen zu dürfen. Anders reagierten die Direktkandidaten der Parteien, welchen auch eine Krone und ein Postkarte erhielten, als Glückwuschgeste für die erreichten Prozente. Sie nahmen das Symbol der Souveränität des Bürgers an.
Die Idee hat jedoch trotz der Plakate, welche in der Öffentlichkeit und an unterschiedlichen Tagen auf dem Schlossplatz und dem Kohlmarkt erstellt wurden und viel Aufmeksamkeit erregten und Gespräche erzeugten, auch nach dem Aufhängen an Laternen und Bäumen, wo immer wieder intensive Gespräche entstanden, längst nicht alle Bürger erreicht. Das lag an drei Dingen. Erstens fehlte es uns an Zeit und Geld, Plakate in allen Wahlbezirken bzw. Stadtteilen aufzuhängen. Zweitens fehlte uns bei den vielen Aufgaben, welche wir bis auf den Druck selbst übernahmen, einiges an "Manpower".
Drittens wurde die Direktkandidatur und damit auch die Idee des Grundeinkommens und der Plakataktion in den regionalen Medien so gut wie totgeschwiegen, im Vergleich zu vielen lokalen Zeitungsberichten welche traditionellen Parteikandidaten ermöglichten, ihre alten Programme immer wieder zu präsentieren. Wenig interessiert an der Idee des Grundeinkommens waren auch die Veranstalter von öffentlichen Podiumsdiskussion in der Wahl-Informationsphase, denn kein parteifreier Kandidat war dort eingeladen.
Das waren z.B. politische Veranstaltungen in der Kirche in Timmerlah, auf dem Sommerlochfestival/CSD, bei den Rotariern, bei Muslimen ("Warum sollten Muslime Sie wählen?"), im Cinemaxx nach Uraufführung des Schlämmer-Films veranstaltet von der Braunschweiger Zeitung, bei verdi (Argen, Beschäftigungspolitik), bei dem DGB, im Energieforum Region Braunschweig und der Europa Union.
Eine Ausnahme bildete die Podiumsdiskussion der Europa Union, zu welcher der Autor eingeladen war und so die Wirkungen des Grundeinkommens in unterschiedlichen politischen Bereichen darstellen konnte.
Besonders auffällig ist die Ignoranz bei der Veranstaltung der Braunschweiger Zeitung, im Anschluss an den Horst Schlämmer Film. Ist doch eine Kernforderung der HSP (Horst Schlemmer Partei) die Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ähnlich auffällig sind auch die Nichteinladungen zu den beiden Gewerkschaftsveranstaltungen. Ein Grundeinkommen ist im Kern das Ziel jeder gewerkschaftlichen Forderrung, will sie wirklich die Unabhängigkeit des Arbeitnehmers stärken. Aber ebenso wichtig sollte die Souveränität den Muslimen sein, denn auch sie sind Bürger in unserem Land. Ist das Menschenbild welches dem Grundeinkommen zu Grunde liegt der Kirche in Timmerlah zu christlich, dass etwas bedingungsloses nicht auf das Podium sollte und schafft das Grundeinkommen zu viel Unabhängigkeit für das Energieforum in der Region Braunschweig, dass es sich nur für alte Ideen interessierte? Auch das Familenmagazin Clic-Clac bot ausschließlich den traditionellen Parteienn mit der Frage: "Was tun sie für Familien?" ausgiebige Möglichkeiten ihre Positionen darzustellen. Die Möglichkeiten eines Grundeinkommen und dessen enorme Stärkung von Familen, alleinerziehenden und werdenden Müttern sollte dort kein Thema sein. Warum eigentlich? Über die Aktivitäten der braunschweiger Initiative Forum Grundeinkommen hat seit der Gründung im Winter 2007 keine Zeitung berichtet, bis auf Veranstaltungshinweise. Dies fällt besonders auf, wenn man sieht, dass andere regionale Zeitungen über die Aktivitäten von regionalen Initiativen bericheten. Doch misst man die Wirkungen unserer Arbeit nicht an der Ignoranz der regionalen Presse, sondern an den Initiativen, welche sich seit Gründung des Forum Grundeikommen gebildet haben, so kann man von einer Infizierung einer wachsenden Personengruppe sprechen.
Mit Blick auf die Wahlergebnisse gab es in Braunschweig eine starke "Konkurenz" von potentiellen Grundeinkommensbefürwortern. Denn die Wähler von Helmut Blöcker (Grüne), Thomas Röver (Die Linke), Jens-Wolfhard Schicke (Piraten) und Horst Dauter sind potentielle Grundeinkommenswähler. Aber auch CDU Mitglieder und machmal auch SPD Mitglieder können Grundeikommensbefürworter sein, wie der ehemalige Ministerpräsident Dieter Althaus und das von ihm entwickelte Solidarische Bürgergeld und die Rhein-Erft SPD Gruppe zeigt.
Die Kandidaten auf der Aktionswebseite www.du-kannst-grundeinkommen-waehlen.de haben zusammen 17.337 Stimmen erhalten. Insgesamt traten 151 Listen- und Direktkandidierende in 110 Wahlkreisen für ein Grundeinkommen ein, mit der Ausnahme von FDP Mitgliedern. Über 2 Millionen Stimmen gingen an die 151 Listen- und Direktkandidierende welche ein Grundeinkommen befürworten. In den Bundestag zogen 30 Grundeinkommensbefürworter ein: 15 x Bündnis 90/Die Grünen, 9 x CDU, 5 x DIE LINKE, 1 x SPD. Das ist ein guter Anfang.
Die Plakataktion, die Kandidatur und die vielen dadurch entstandenen Gespräche waren eine initiativenreiche Zeit voller Gefühle, Entdeckungen und Begegnungen von Mensch zu Mensch. Da war was los. Nicht nur im öffentlichen Straßenraum. Überall entstanden Fragen. Manche davon wurden an uns gestellt. Viele wurden von Kollegen, Freunden, Partnern oder in Gedanken bewegt. Der Hefeteig geht auf, wenn Hefe drin ist. Die Fragen sind es, welche uns anregen, Entwicklungen in Gang bringen. Unseren Arbeits- Geld- und Gemeinschaftsbegriff können wir nur umformen, dass er wieder zur Wirklichkeit passt, wenn wir Fragen stellen.
Wir sind auf dem besten Wege dahin, wenn wir nicht versuchen andere zu ändern, sondern unser Denken über andere. Auf diesem Weg einen herzlichen Dank an alle Menschen und ihr Vertauen, welche mit Ihrer Unterschrift, ihrer Stimme, ihren Spenden, ihren Einladungen, ihren Räumen, ihren Gesprächen, ihren Gedanken, ihrem Mut, ihren Fragen ihrern vielfältigen Initiativen sich einsetzen und eingesetzt haben, für die Verwirklichung einer großen Idee.
Am spannendsten ist immer der Anfang.
Am Anfang ist alles möglich.
Am Anfang sind wir herausgefordert, zu gestalten.
Am Anfang sind wir in Entwicklung.
Am Anfang ist der Mensch Mensch.
Frank Thomas
Dem BGE Medienspiegel folgen
















Mitteilungen
Danke für die Möglichkeit
Hallo Frank Thomas und Team,
vielen vielen Dank für die Möglichkeit "Grundeinkommen zu wählen"!!! Ich bewundere Ihr Engagement, Mut und Motivation und finde es großartig, dass Sie mir als Wähler eine echte Alternative zu den etablierten Kandidaten eröffnet haben.
Gruß aus Braunschweig
Oliver Lühr
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