Klassensprecher

Maischberger Susanne Wiest Grundeinkommen

Klassensprecher kennen wir als Personen, die als Sprecher für und von Schulklassen gewählt werden, um Dinge anzusprechen und zu vermitteln, häufig zwischen Lehrern und Schülern. Eine weitere Bedeutung von Klassensprechern konnte man in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ mit dem Titel "Panik um den Job. Muss der Staat uns alle retten" kennen lernen.

Herr Clement, Ex-Wirtschaftsminister, der unter Rot-Grün die Harz IV Gesetze mit eingeführt hat, sowie der CDU-Politiker Norbert Röttgen waren sich einig in der Frage, ob ein Grundeinkommen gerecht sei: Nein, befanden sie.

Die Klassensprecher waren sich einig. Ein Grundeinkommen passe nicht zu ihrem Menschenbild, dem schwitzenden, sich anstrengen Menschen, der für das, was er leistet, belohnt würde. Herr Wallraff, der auf die veränderte soziale Sicherheit hinwies, war gespalten in der Frage zum Grundeinkommen, wollte es jedoch den Besserverdienenden nicht zugestehen. Norbert Röttgen und Wolfgang Clement betonten in diesem Zusammenhang lieber, dass der Höchststand an Erwerbsarbeit in der deutschen Geschichte erzielt wurde.

Und niemand wies darauf hin, dass diese Zahl verführerisch täuscht. Es ist statistisch zwar richtig, dass die Zahl der Erwerbsarbeiter gestiegen ist, im Laufe der letzten Jahrzente. Aber keiner fragt: warum? Denn das liegt, wie verschiedene Quellen zeigen, vor allem daran, dass mehr Frauen als früher einer Erwerbsarbeit nachgehen. Gleichzeitig ist das Arbeitsvolumen pro Person gesunken und die Arbeitslosenanzahl gestiegen. Die sozialversicherungspflichtigen Vollzweitbeschäftigungen sind gesunken, die Zahl der Minijobber, der Teilzeitbeschäftigten, der Ein-Euro-Jobber und der sog. prekär Beschäftigten jedoch gestiegen. 2005 gab es über 11 Millionen atypisch Beschäftigte. Und dies alles, wie Frau Wiest richtig bemerkte, bei steigender Produktivität.

Naiv - bei diesen komplexen Themen - ist nicht Susanne Wiest, die von gesunkener Erwerbstätigkeit sprach, was im Hinblick auf das Arbeitsvolumen pro Person sogar richtig ist. In der Runde der Erwerbsarbeitsideologen, in der Susanne Wiest, als einzige mutig für ein Bürgerrecht eintrat, wirkte sie etwas verloren. Nicht weil sie eine Zahl verwechselte. Sondern weil sie die einzige war, die den Bürger im Blick hatte, alle Bürger der Gemeinschaft hatte sie im Blick. Denn ein Grundeinkommen ist nur dann ein Grundeinkommen, wenn es ein Bürgerrecht ist. Und ein Bürgerrecht ist an keine Bedingungen geknüpft, außer an die, dass man Bürger ist, also Mensch in einer Gemeinschaft.  Es ist kein Almosen für Arme und Schwache. 

Doch noch verlorener, einfallslos und herzlos wirkten ihre Diskussionspartner, die gebetsmühlenartig von erzielter Erwerbsarbeit sprachen und Vollbeschäftigung predigten, als wenn es keine Wirtschaftkrise gäbe, als wenn 3,5 Millionen Arbeitslose keine Veranlassung seien, als wenn Erwerbsarbeit und Existenzangst, von der Susanne Wiest sprach, nicht jeden verantwortungsvollen Menschen zum Denken und Handeln aufrufen würde. Doch genau hier zeigt sich unsere Finanzkrise eigentliche eine Bewusstseinskrise ist. Da ist etwas noch nicht zu Bewusstsesin gekommen.

Da wird die christliche Sozialethik benutzt, um die Erwerbsarbeitsideologie zu retten. Dabei gibt es keine christliche Sozialethik, die Erwerbsarbeit als seligmachendes Ziel bestimmt hätte. Und keine, welche unter staatlichen Zwangsmaßnahmen, einen freien Menschen gegen seinen Willen zu seinem Glück zwingen sollte.  Arbeit kann sinnstiftend sein, ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Eine Voraussetzung ist die Freiwilligkeit. Erwerbsarbeit dagegen ist immer seltener sinnstiftend oder freiwillig. Und ist besonders in prekären Bereichen wohl eher durch Existenzängste erzwungen, als dass diese wirklich frei gewählt wurde.  Neben der Erwerbsarbeit gibt es noch viele andere sinnvolle und sinnstiftende Arbeiten. Die Zahl der unentgeltlichen Arbeitsstunden lag 2001 bei 96 Milliarden, im Vergleich zu 56 Milliarden Erwerbsarbeitsstunden. Genau diese ehrenamtlichen Tätigkeiten, ohne welche ein Gemeinwesen nicht existieren könnte, ja wodurch eine Gemeinschaft geradezu definiert ist, dass man freiwillig etwas für andere tut, diese Tätigkeiten würden durch ein Grundeinkommen eine gemeinschaftliche Anerkennung erfahren.

Auch würde ein Prinzip der christlichen Soziallehre, die Subsidiarität, welche Selbstverantwortung vor staatliches Handeln stellt, wesentlich mehr berücksichtigt werden können als heute. Denn eine Existenzsicherung der Person ist die Voraussetzung für ein verantwortungsvolles und freies Handeln dieser, wie auch körperlich, seelische und geistige Gesundheit  eine Grundvoraussetzung für das menschliche Handlungsvermögen ist.  Es ist auch im Grunde das Ziel jeder Solidargemeinschaft: Jedem Bürger zu ermöglichen, gesund zu leben und sich bestmöglich in die Gemeinschaft einbringen zu können. Die Voraussetzung  dafür ist, dass der Bürger frei entscheiden kann. Auch diese Freiheit entspricht der christlichen Ethik.

Was zeigt dieses Loblied der Herren Clement, Röttgen und auch Biermann auf die (Zahl des erzielten Höchststands der) Erwerbsarbeit noch? Es zeigt, wie Sandra Maischberger auch beobachtete, dass die Klassensprecher wohl völlig vergessen zu haben scheinen, dass sie gleichzeitig noch Schüler sind – Bürger und Menschen wie wir alle. Menschen die lernen können und die offensichtlich das Zuhören verlernt haben. Das Zuhören dem Bürger, dem Menschen.

Denn  3,5 Millionen Arbeitslose sind nicht nur eine Zahl der Statistik. Es sind 3,5 Millionen einzelne Menschenleben, die wie Susanne Wiest bemerkte, vom System ausgeschieden werden. Und es geht nicht „nur“ um Arbeitslose. Es geht darum, die Tätigkeit des Menschen von der Belohnung, von sog. monetären Anreizen zu befreien. Das Ziel ist die Emanzipation der selbständigen Tätigkeit aller Bürger. Diese Selbstständigkeit aller Bürger kann nur erreicht werden, wenn wir die Fessel des Menschen, die Macht des Geldes, unsere heutige (scheinbare) Nabelschnur,  durchtrennen,  in dem wir solidarisch denken und allen Bürgern Existenz durch ein Grundeinkommen bedingungslos sichern. Erst wenn die Unabhängigkeit der menschlichen Tätigkeit vom Einkommen das Ziel unseres Handelns ist, dann ist auch das Wohl und die Freiheit aller Bürger unser Ziel.

Frank Thomas
 


Mitteilungen

danke frank für deine analyse

danke frank für deine analyse und ergänzenden infos. susanne wiest und frau maischberger haben jede auf ihre art das thema optimal eingeführt. es werden mehr und mehr besser vorbereitete gesprächspartner erscheinen, die nicht durch rhetorik sondern durch gut fundierte kritik konstruktiv sind. der blick auf jeden einzelnen menschen wird vorurteile verwandeln... freu mich auf sonntag 15 uhr mit film und forum im BS schimmelhof B2 und auf ein wiedersehn

Menschen bei Maischberger

 

Sehr geehrte Frau Maischberger,
sehr geehrte Redaktion,

ich hatte soeben das Vergnügen Ihre Sendung zu sehen. Darauf hin sah ich
mich veranlasst umgehend meinen PC hochzufahren und Ihnen diese e-mail zu
schreiben in der Hoffnung, dass Sie diese auch lesen und nicht nur zur
Kenntnis nehmen, sondern daraus Konsequenzen ziehen. Mein Vorschlag: Machen
Sie doch einmal eine längere Sendung, in denen das Volk (Querschnitt) zu
verschiedenen Themen befragt wird. Setzen Sie die Politiker -von mir aus
auch unter Zwang- vor den Fernseher.

Diese Sendung hat -zum ersten Mal!!!!- in voller Wucht und in Farbe ganz
klar zum Ausdruck gebracht, dass das deutsche Volk und die Politiker nicht
nur in zwei Welten leben, sondern dass diese beiden ganze Universen trennen.
Herr Clement, so selbstgefällig, wie ich es nicht erwartet hatte im
Gegensatz zu Frau Wiest. Frau Wiest hat sehr klar zum Ausdruck gebracht,
dass es um Menschenwürde geht. Und diese Menschenwürde wird u.a. mit Hartz
IV mit Füssen getreten. Nicht nur das:

Warum geht Frau Wiest nicht zum Jobcenter und beantragt Hartz IV? Weil es
unwürdig ist. Wir - das Volk - müssen blank ziehen und alles offen legen, um
dann wirklich und wahrhaftig Almosen zu bekommen. Davon kann kein Mensch
leben. Genau dies ist der Tenor ihrer Aussage. Man kann über die Höhe
streiten, man kann über die Gegenfinanzierung streiten. Aber ein Herr
Althaus -und übrigens auch die FDP vor nicht allzu lange Zeit- sagen ganz
klar, dass die € 600,00 nur der Anfang sind. Wenn das System zu Laufen
beginnt können sich alle unisono höhere Beträge vorstellen. Das geht bis zu
€ 2.500,00. Sind das alle Blödel? Oder geht es nicht vielmehr darum, dass es
nicht gewollt ist, Menschenwürde herzustellen und zu erhalten?

Ein Herr Röttgen, der Frau Wiest ablaufen ließ, dass es nicht mehr schöner
sein kann. Unsere Politiker haben sich heute so zur Schau gestellt, was im
Volk schon lange bekannt ist. Es sind Lobbyisten und in keinster Weise die
Vertreter des Volkes, nur die Vertreter des Kapitals. Es ist wirklich eine
Schande, dass diese Menschen unseren Staat - auch nach außen -
repräsentieren. Es ist unter jeglicher Würde, sich so etwas bieten zu
lassen.

Ich ziehe meinen Hut vor dem Herrn von Opel, der ebenfalls abgebürstet
wurde, er kämpft für das, woran er glaubt. Das ist nicht verwerflich und
bewundernswert, dass es sich sogar so unfairen Diskussionen stellt. Ich will
ihm sagen, dass ich ihn sehr gut verstehe und seinen Mut zu schätzen weiß.
Hätten wir in Deutschland nur mehr von solchen Leuten, wäre dieses
Deutschland ein anderes.

Ich bin gegen eine Opel-Rettung. Aber ich bin auch gegen eine
Banken-Rettung. Das ganze System hat sich mit dieser Krise als absurdum
herausgestellt. Und das nicht erst seit gestern. Ich bin nur eine
Rechtsanwaltsfachangestellte, kein Wirtschaftswissenschaftler oder
Finanzberater. Aber ich habe gesunden Menschenverstand. Es war abzusehen,
dass dieser Supergau kommt. Es ist aber auch im Interesse derjenigen, die
diese Krise verursacht haben, dass es dazu kam. Dann kann noch schneller
noch mehr Geld von unten nach oben verschoben werden. Ist für mich ein
abgekartetes Spiel. Und nicht nur für mich. Die Menschen, die das genauso
sehen, werden immer mehr.

Ich kann Frau Wiest nur beglückwünschen. Sie hat sich weder von Herrn
Röttgen noch von Herrn Clement die Butter vom Brot nehmen lassen. Sie hat
ihre Position klar und deutlich dargestellt und dazu gehört auch sehr viel
Mut. Und sie hat nicht einmal ausfallend werden müssen. Ganz große
Hochachtung vor dieser Frau.

Was Herrn Wallraff anbelangt, möchte ich nur sagen, er hat seine
Animositäten mit Herrn Clement ausgetragen. Das war es aber schon. Er hat
Frau Wiest genauso abgebügelt wie den Herrn von Opel. Er ist - in meinen
Augen - genauso weit entfernt von der Realität wie die Politiker.

Ich will nicht jedem, der mehr Geld verdient durch seine Arbeit als ich, in
Bausch und Bogen unterstellen, dass er abgehoben ist und nicht mehr
mitkriegt, was die Stunde geschlagen hat. Es hat auch nichts mit Neid zu
tun. Es geht darum, dass es in diesem Land zu viele Menschen gibt, die ein
menschenunwürdiges Leben führen und es werden täglich mehr. Es gibt
Generationen von Sozialhilfeempfängern und diese werden ihren Kindern nichts
anderes beibringen, als ebenfalls von Staatshilfe zu leben. Das ist richtig.
Aber das ist nicht die Mehrheit. Genauso wenig wie es die Mehrheit ist, die
so viel Geld hat, dass sie nicht weiß, was sie damit tun soll.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was für ein schöner Satz, der schon
lange nicht mehr gilt. Er ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben
ist. Ich empfinde es als Schande, wie die Politiker mit uns umgehen.

Und nur zur Kenntnisnahme für die Herren Politiker:

Glaubt ihr wirklich, dass es im Westen mit dem Verdienst so viel besser
aussieht? Wenn ich in meinem Beruf arbeite -vollzeit- kann ich nicht
wirklich leben, geschweige denn Urlaub machen. Oder -noch besser- jährlich
ein neues Auto kaufen. Meine Güte: seht endlich das Volk und nicht das
Kapital.

Wenn die Opelaner im Bundeskanzleramt mit Schlafsäcken übernachten, werde
ich diese Aktion unterstützen. Ich werde dabei sein. Aus anderen Gründen als
die Opel-Menschen. Mein Beweggrund ist Flagge zeigen und den Politikern klar
machen, dass sie so nicht mit ihrem Volk umgehen können und dürfen. Auch
wenn es abgedroschen klingt: WIR SIND DAS VOLK.

Sehr geehrte Frau Maischberger, ich danke Ihnen und Ihrer Redaktion, dass
Sie das gelesen haben. Ich gehe davon aus, dass ich nicht die einzige bin,
die Ihnen heute Nacht geschrieben hat.

Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen eine gute Nacht.

Mit freundlichen Grüßen
S. Kleinicke

Arbeitslosenzahlen bei Maischberger

Guten Tag, ich möchte nur kurz darauf hinweisen,daß Herr Wallraf in der Sendung sehr wohl darauf hingewiesen hat,daß es sich bei den Arbeitslosenzahlen nicht um Realität handelt,sondern nur um Statistik. Das wurde aber in der Sendung kaum beachtet,ging auch unter im Gelaber von Clement und Röttgen.Ich bin mir sicher,er hätte gern noch etwas dazu gesagt,aber wir wissen doch,wie das in "moderierten" Sedungen läuft. Frau Wiest hat sich phantastisch in der Sendung geschlagen,sie kam natürlich rüber,eine Frau aus dem Volk,für das Volk,für die Menschen! Hut ab davor! Mit besten Grüßen

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