Ein Bürgerrecht ist keine Frage von Kassenständen
Das bedingungslose Grundeinkommen lehne ich aus mehreren Gründen ab, schreibt Thomas Blenke, Kandidat der CDU für die Wahl des Baden-Württembergischen Landtags am 27. März 2011.
a) Es ist in Zeiten leerer Kassen nicht zu finanzieren.
b) Die aktuelle Gesetzeslage rund um Hartz IV ermöglicht bereits jetzt eine komplette Grundversorgung.
c) Das Ziel der CDU ist die Vollbeschäftigung.
d) Es ist ungerecht, da dann auch Spitzenverdiener staatlich unterstützt werden.
Ein Bürgerrecht ist keine Frage von Kassenständen, sondern eine Frage unseres gesellschaftlichen Fundaments. Nicht unser Haushalt bestimmt die Verfassung, sondern die Verfassung bestimmt den Einsatz öffentlicher Mittel. Würde die sozialstaatliche Existenzsicherung nach Kassenlage entschieden, befänden wir uns außerhalb des Rechtsstaats. Gerade die Errungenschaft des Rechsstaats garantiert jedem Bürger seinen Bürgerstatus. Das Rechts- und Sozialstaatsprinzip ist gesellschaftlicher Konsens. Der Konsens unseres sozialen Rechtsstaats ist, dass die Existenz jeden Bürgers gesichert sein soll.
Ein bedingungsloses Grundeinkommen stellt in keiner Weise unser Fundament, das Sozial- und Rechtstaatsprinzip in Frage, sondern es entwickelt sich aus diesem. Es trägt dazu bei, den Kern des Sozial- und Rechtstaatsprinzip in den gesellschaftlichen Fokus zu nehmen und sich zu fragen, was das Wesen des Rechts- und Sozialstaats denn ist. Und man sieht, dass gerade die Bedingungslosigkeit das Prinzip des Rechtsstaats ist, der seinen Bürgern bedingungslos den Bürgerstatus verleiht. Als Bürger sind wir gleich an Rechten. Diese Gleichheit ist keine Gleichmacherei, sondern durch die bedingungslose Anerkennung des Menschen als Bürger, Ausdruck höchster Gerechtigkeit. Die Gleichheit vor dem Gesetz ermöglicht erst die freie Entfaltung der individuellen Fähigkeiten und damit deren Produktivität.
Geld hat seinem Wesen nach die gleiche Aufgabe innerhalb einer Gemeinschaft wie der Rechtsstaat. Es soll vermitteln, etwas Gleichbleibendes sein, zwischen den nicht vergleichbaren Produkten und den unterschiedlichen Bedürfnissen. Wir können Äpfel nicht mit Bananen vergleichen. Aber wir wissen, dass man beide essen kann. Der Wert einer Frisur lässt sich nicht mit dem eines Dachstuhls vergleichen und ein Personalcoaching nicht mit einer Full-HD-Digicam. Für unterschiedliche Produktionen sind die unterschiedlichsten Fähigkeiten von Nöten. Der kleinste gemeinsame Nenner ist, dass wir alle ein Einkommen brauchen, ohne welches wir unsere Fähigkeiten nicht in den Dienst der Gemeinschaft stellen können, weil wir nicht in der Lage sind unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen. Denn bestünde, wie in vorindustriellen Zeiten, die Notwendigkeit, für uns selbst zu sorgen, könnte keiner von uns für andere sorgen. Das bedeutet, niemand wäre in der Lage sich zu spezialisieren - es gäbe keine Arbeitsteilung - und jeder wäre damit beschäftigt, sein Überleben selbst sicher zu stellen.
Und dennoch ist das Ziel der Vollbeschäftigung, welches heute antiquiert erscheint, dass jeder sich selbst versorgen solle. Damit wird die Sache wie vom Fuß auf den Kopf gestellt. Denn in einer Dienstleistungsgesellschaft ist es absurd, Selbstversorgung vom Einzelnen zu fordern, denn jeder wird durch andere versorgt. Selbstversorgung wird hier mit Selbstverantwortung verwechselt. Selbstverantwortlich soll jeder Bürger handeln können in einer Demokratie. Damit ist auch die gesellschaftliche Maxime, die Eigenverantwortung vor staatliches Handeln stellt, das Prinzip der Subsidiarität erfüllt. Denn als erstes steht das Zutrauen in die Selbstverantwortung des Einzelnen. Aber nicht ein Einzelner wird gestärkt, sondern jeder Bürger und damit die Demokratie.
Das Grundeinkommen ist prinzipiell durch unser Grundgesetz legitimiert und gleichzeitig bereits finanziert. Denn Güter, die man für Geld erwerben kann, Essen, Trinken, Wohnung, Kultur, wurden bereits produziert und finanziert. Werden sie nicht konsumiert, landen sie im Müll. Auf Müllhalden landet viel. Doch dass viel auf dem Müll landet, ist ein Zeichen dafür, dass unsere Volkswirtschaft so produktiv ist, dass sie ein Vielfaches von dem zu produzieren in der Lage ist, was wir als Bürger überhaupt konsumieren können. Ein Grundeinkommen erfordert kein Mehr an Gütern oder Dienstleistungen als heute, sondern es ermöglicht die Einsparung enormer Verwaltungskosten und Dienstleistungen und erweitert die volkswirtschaftliche Einkommensgenerierung um eine unbürokratische Form. Ein reales Finanzierungsproblem eines Grundeinkommens existiert ebensowenig wie eine Knappheit an Gütern. Die Frage zur Finanzierung eines Grundeinkommens ist allein eine methodische, keine prinzipielle. Und diese stellt sich bereits heute in Bezug auf die gesamte Sozialversicherung.
Besonders weil wir wirtschaftlich ja bereits im Schlaraffenland leben, erscheint die Debatte um die Begründbarkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens genauso sonderbar, als wenn darüber gestritten würde, ob der Bürgerstatus eine Art Orden sei. Die Debatte um ein bedingungsloses Grundenkommen zeigt, dass wir uns nicht als Bürger begreifen, sondern als Erwerbstätige und Erwerbslose. Doch das Herz der Demokratie und des Rechtsstaats, der freie Bürger, wird durch den Zweifel an der Bedingungslosigkeit in Frage gestellt. Denn gerade die Bedingungslosigkeit ist das Charakteristische jedes Menschen- und Bürgerrechts.
Der Rechtsstaat war und ist der Sieg des Denkens über Stände- und Religionszugehörigkeit, Bluts- und Clanverwandtschaft, Rassen- und Kastenbewusstsein. Er ist die Blüte einer langen Geschichte der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, deren Frucht der souveräne Bürger sein wird. So wie es heute rechtlich unmöglich ist, jemanden aufgrund seiner Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit, nicht als Bürger anzuerkennen, könnte es in einer Grundeinkommensgesellschaft praktisch unmöglich sein, einem Bürger aufgrund seiner Einkommensverhältnisse Bürgerrechte abzusprechen, wie es die heutige Sozialgesetzgebung vorsieht. Und sind wir nicht schon längst an dem Punkt der Menschheitsgeschichte und unseres Gerechtigkeitsempfindens angelangt, an dem wir jedem Menschen ein Einkommen garantieren wollen, bedingungslos? Nicht nur, weil es möglich ist, sondern weil wir Menschen sind?
Frank Thomas
Dem BGE Medienspiegel folgen
















Mitteilungen
Thomas Blenke
Es scheint, der junge Mann hat sich mit der Thematik noch nicht wirklich befasst. Die Antworten a) bis d) tun mir langsam weh. Gibt es wirklich einen Grund diesen Menschen in eine politische Verantwortung zu wählen? Nicht wirklich.
ja wie jetzt
ich weiß für manche dürfte die frage nervig sein
aber ich hab im internet schon öfters was über das grundeinkommen gelesen und angeschaut.
doch immer wird nur gesagt es ist möglich das grundeinkommen einzuführen und es währe keine frage der finanzierbarkeit.
sorry, aber mit solchen argumenten komm ich bei meinem "stammtisch" nicht wirklich weit^^
gibt es da keine übersicht dafür, vielleicht nen flyer?
Finanzierung BGE
Einsparung der Hartz IV Verwaltungskosten
Einsparung von Bafög + Ehrenamtförderung + Neuregelung des rentensystems und Elterngeld+Kindergeld
Einführung einer Konsumsteuer(Mehrwertsteuer) als transparente Steuer...
23 Millionen Menschen egagieren sich in BRD ehrenamtlich - einfach mal nachfragen welche Kosten dem Staat entstehen würden, wenn alle diese Aufgaben bezahlt werden müssten...
Wenn also ab morgen alle Ehrenamtlichen aufhören würde sich freiwillig zu engagieren....das wurde bisher noch in keine Statistik eingerechnet...
Bankenrettungsschirm einfach auch mal einrechnen oder die Kosten des Gesundheitssystems...
Ein Grundeinkommen ist also finanzierbar - wenn eine Mehrheit der Gesellschaft das will.
Ein Grundeinkommen löst auch viele Probleme. Grundeinkommen ersetzt Kindergeld und Elterngeld, Der Anteil für eine Bürgerversicherung plus Kopfpauschale (Schweizer Modell der Krankenversicherung) stellt das System der Krankenversicherung auf eine stabile Basis. Bafög wird überflüssig weil Grundeinkommen auch ein Studiumskosten abdecken könnte, Hartz IV wird überflüssig und man muß niemandem mehr verfassungswidrig Leistungen kürzen, Grundeinkommen stellt auch eine stabile Basisrente dar (keine Angst mehr vor Altzersarmut)...
Fragen sollten beantwortet werden
Er hat Recht. Das hier nicht versucht wird zu überzeugen verwundert mich sehr. Die Idee muss durch Kompetenz auf die Beine gebracht werden. Sonst darf man sich nicht wundern wenn man als Spinner abgestempelt werden. Allein die Intuition und der Glaube reicht nicht aus. Aber nun zur Finanzierbarkeit: Finanzminister Schäuble sagte bereits im März 2010 das Deutschland bereits eine Billion im Jahr an Sozialtransfers zahlt. Pro Kopf sind das 12500 €.
Grundeinkommen
Wie man das nun nennt, ob bedingungsloses Grundeinkommen oder Sozialhilfe, ist doch egal.
yahoo [dot] de, Alexander Guber).
Ich halte nichts von Grabenkämpfen. Entscheidend ist die Höhe und die Bedingungen der Gewährung. Wenn die gut sind, kann das auch Harz iv genannt werden. Die Soztialhilfe ist doch die
Entschädingung dafür, dass Menschen durch Globalisierung und Rationalisierung arbeitslos gemacht wurden. Auch die Sklaven im alten Rom hatten das Existenzminimum. Deshalb müsste Harz iv halt viel höher sein. Dann kann man das nennen, wie man will. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen von 350 Euro wäre mir jedenfalls nicht gedient. Und dann die Bezugsvoraussetzungen! Also das ist viel wichtiger als irgendeine reine Lehre des Grundeinkommens durch zu setzen. Ich halte das für einen Nebenschauplatz.
Außerdem sind Sie überhaupt nicht auf das ARgument des CDU'lers eingegangen, dass dann ja auch
die Reichen dieses Grundeinkommen bekämen. Na ja das ist vielleicht unwichtig, aber eben einer der Misskonstruktionen dieses Konzepts. Warum die Sache so kompliziert machen: Ich fordere Harz iv plus 200 Euro für Projekte, eben nicht nur Existenzminimum, sondern Entschädigung für die Arbeitslosigkeit. Darauf kommt es an. (bluewinds44
Ist nicht egal
Sehr geehrter herr Guber,
es ist eben nicht das gleiche, ganz und gar nicht. Das Grundeinkommen ist eine Existenzsicherung für alle, ohne Bedingungen. Also auch ohne die Bedingung, arbeitslos zu sein. Jeder kann dazu verdienen. Sozialhilfe, Harz IV und co sagen den Beziehern, "Du kannst nicht für dich selbst sorgen, daher müssen wir für Dich sorgen". Ein Grundeinkommen sagt den Menschen: Du bist ein Mitglied unserer Gesellschaft, du bist uns etwas wert, ohne wenn und aber!
Harz IV parkt in Passivität, denn die Situation des Empfängers verbessert sich erts dann wirklich, wenn er eine Stelle findet, bei der er wesentlich mehr als Harz IV erhält, sozusagen von 0 auf 100. Ein Grundeinkommen ist immer zusätzlich, Zuversienst wird nicht angerechnet. Ein kleiner Job reicht, um die Situation zu verbessern.
Natürlich würden auch die Reichen das Grundeinkommen erhalten, sie sind auch Menschen und es daher auch wert. Dass es bei ihrem Einkommen keine Rolle spielt ist ja egal, der bürokratische Aufwand, die Superreichen auszufiltern wäre sicher sehr viel teurer. Wenn es alle bekommen kann es auch keinen Neid der Reichen geben. Außerdem ist das auch eine Frage der Finazierung, wenn man Einkommen weiterhin besteúert, eventuell auch progressiv, dann zahlen die Reichen das ja durch ihre Steuern hintenrum wieder ein. Das Grundeinkommen würde weitere Steuerfreibeträge dann überflüssig machen.
Das Grundeinkommen ermöglicht einen echten Arbeitsmarkt. Die notwendige Arbeit kann gerecht aufgeteilt werden. Es gibt keinen Grund mehr, warum die einen sich kaputt schuften und die anderen erzwungenermaßen Däumchen drehen. Denn es gibt keinen Zwang mehr, mit der Arbeit die Familie zu ernähren.
Wenn Arbeit nicht mehr durch Sanktionen erzwungen wird, müssen die Firmen eben das bezahlen, was die Arbeit wert ist. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass notwendige aber stupide Arbeiten dann besser bezahlt werden müssten als heute gut bezahlte, die Spaß machen.
Mechanisierung, Rationalisierung wäre kein Schreckgespenst mehr sondern ein Segen. Menschen würden für sinnvollere Arbeiten frei gestellt. Und wenn es nur Vorlesen im Altenheim ist.
Auch die Arbeitgeber könnten profitieren, der Arbeitsmarkt dem Markt überlassen werden. Kündigungsschutz, Tarife, sogar festgelegte Arbeitszeiten könnten entfallen. Klar, wenn kein Zwang zur Arbeit besteht würde natürlich die Bereitschaft, sich ausbeuten zu lassen drastisch abnehmen, Schlecker und Co wären die Verlierer. Aber es gibt ja auch viele Unternehmen, die auf hoch motivierte, engagierte Mitarbeiter mit Ideen angewiesen sind, die könnten davon sehr profitieren. Und die Menschen werden weiter arbeiten, davon bin ich überzeugt. Das Grundeinkommen deckt ja nur die Grundbedürfnisse, Wünsche kann man sich nur durch Arbeit erfüllen. Die meisten Menschen haben immer unerfüllte Wünsche, je mehr Geld sie haben, desto größer werden die halt.
Grundeinkommen
...das Ziel der CDU ist die Vollbeschäftigung...
Wachen die mal auf? Mit solchem Mist wollen die Wählerstimmen haben? Vollbeschäftigung...ich lach mich tot. Diese Partei ist alt und verstaubt und hat den letzten Schuss nicht gehört. Wie soll denn bitte Vollbeschäftigung herbeigeführt werden. Ach ja, ich habs....wir verschrotten einfach alle Maschinen. Ja dann ist wieder Arbeit für alle da. Mensch Blenke, kommen Sie mal auf den Teppich zurück.
Kommentar hinzufügen