Bedingungsloses Grundeinkommen Flyer

Bedingungsloses Grundeinkommen Flyer

 

Pünktlich zum Beginn der Woche des Grundeinkommens, wurde der neue Flyer der Initiative Forum Grundeinkommen fertiggestellt und steht zum download bereit. Der folgende Text zeigt den wesentlichen Inhalt.

Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
– Was ist das?

Ein Grundeinkommen ist ein staatlicher Geldtransfer in Höhe eines Kulturminimums, der jedem Bürger gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Es ersetzt nahezu alle derzeitigen Sozialleistungen. Das BGE wird ohne Bedarfsprüfungen an Individuen gezahlt, unab

hängig von weiterem Einkommen und ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten – bedingungslos also. Das Grundeinkommen ersetzt einen Teil des Erwerbseinkommens und führt, da es auch nicht an eine direkte Arbeitsleistung gebunden ist, zur Trennung von Arbeit und Einkommen.

 


Der Konflikt
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik bemühen sich seit langem verzweifelt, den technologischen Entwicklungen zum Trotz, um eine Verteilung der noch  vorhandenen Erwerbsarbeitsplätze und um die soziale Sicherung Erwerbsloser. Es ist ein  verzweifelter und hoffnungsloser Kampf, um das Modell Erwerbsarbeit zu retten und sich selbst. Wer heute keine Erwerbsarbeit hat, wird als Bürger stigmatisiert. Arbeitsaufnahmen werden unter wirtchaftlicher Not erzwungen. Andere „dürfen“ Trocken- und  Reserveübungen, auf Kosten des Staates machen – dass es wenigstens so aussieht, als seien sie erwerbstätig, statistisch.


Diese Bemühungen werden weder der technologischen  Entwicklung gerecht, noch der Menschenwürde, denn sie sind widersinnig. Entwickler und Manager sind damit beschäftigt, Produktionsprozesse zu optimieren, effektiver und ressourcenschonender zu produzieren und damit Arbeitskräfte überflüssig zu machen. Dem gegenüber stehen politische und gewerkschaftliche Forderungen, Erwerbsarbeitsplätze zu erhalten, weil ein Einkommen an den Erwerbsarbeitsplatz gekoppelt ist. Rationalisierung erscheint in diesem Licht als unerwünscht, weil wir den Verlust des Erwerbsarbeitsplatzes fürchten. Doch fehlt uns nicht zu allererst ein Einkommensplatz? Anders könnten wir diesen Verlust deuten, wenn wir uns nicht in Konkurrenz zu Automaten sehen würden und unser aller Existenz durch ein Grundeinkommen gesichert wäre. Die Wirtschaft ist heute so effektiv, weil sie optimierte Methoden einsetzt. Weniger als 40% aller Bürger gehen heute einer Erwerbstätigkeit nach. Wirtschaftlich sind wir gut versogt. Denn wir sind pro

duktiver denn je - Ein Grundeinkommen ist heute in Form von Waren längst Realität. Fehlt es uns nun am Grundeinkommen, das jeder braucht, um heute leben zu können oder an Bewusstsein darüber oder an beidem?

 

Die Wirtschaft dient der Kultur ...
...und die Kultur der Wirtschaft
Die Wirtschaft übernimmt innerhalb unserer arbeitsteiligen Gesellschaft den Teil, die Bürger mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Die enorme Produktivität der heutigen Wir

tschaft stammt jedoch aus der Kultur. Es ist das Denken des Menschen, Erfindungen und Entwicklungen, welches uns in Form von optimierten Produktionsmethoden und Automaten zur Verfügung steht. Und weil mit immer weniger Arbeitskraft immer mehr produziert werden kann, sind immer mehr Menschen materiell versorgt und könnten kulturelle Aufgaben übernehmen, wie Aufgaben im Sozialen, in der Bildung und in Forschung und Entwicklung.

Kulturimpuls – Brüderlichkeit - Neue Fragen
Ein Grundeinkommen eröffnet neue Wege und es stellen sich neue Fragen: Was kann ich besser als Automaten und was will ich? Was wollen wir als Gemeinschaft? Wir arbeiten in Arbeitsteilung, teilen uns alle gesellschaftlichen Aufgaben, produktive, kreative, soziale, organisatorische und tragen so alle zur gesamten gesellschaftlichen Wertschöpfung bei. Wäre dann nicht ein Grundeinkommen die konsequente und brüderliche Form, sich einen Teil der Wertschöpfung, also die „reife Frucht“, auch zu teilen?


Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
- Unser Menschenbild?
Das ist das Motto, unter welchem Generationen aufgewachsen sind. Und vielen ist es noch eine Maxime für den Umgang mit Menschen. Doch lassen sich Kontroll- und Perfektionsprinzipien, welche ihren erkennbaren Sinn in automatisierten Prozessen zeigen, z.B. in der Fertigung von medizinischen Geräten, übertragen auf menschliche Tätigkeiten, wie z.B. Kontrolle von Engagement und Leistungsbereitschaft? Oder brauchen wir mehr Entfaltungsmöglichkeiten, wie Freiheit und Vertrauen, für die Potentiale des Menschen? Wenn Kontrolle besser ist als Vertrauen, dann ist Misstrauen besser als Vertrauen. Wir drücken durch dieses Vertrauen oder Misstrauen als Lebensmotto unser Verhältnis zum anderen Menschen aus und offenbaren damit unser Menschenbild. Diesem autoritären Menschenbild entspringt auch der Verdacht, dass der Mensch generell faul sei. Viele glauben, wenn jeder Bürger ein Grundeinkommen erhielte, würde unsere Kultur „den Bach runter gehen“, weil niemand aus freiem Entschluss arbeite und sich engagiere, sondern nur der Belohnung wegen oder wenn er dazu getrieben werde.  -
Wie ist es bei Ihnen selbst? Warum arbeiten Sie?  Und arbeiten Sie lieber, wenn Sie kontrolliert werden oder wenn Sie in freier Entscheidung Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen können?


Grundeinkommen ist Menschenrecht
Ein Mensch, der kein Einkommen hat, kann nicht existieren und an keinen gesellschaftlichen Aufgaben teilnehmen. Früher, in der Selbstversorgung, brauchte man Land, das man bestellen konnte, um sich von der Ernte zu ernähren. Heute ist das anders. Das Land ist verteilt und wir arbeiten zu 98% für andere, in der Fremdversorgung. Durch hochspezialisierte Arbeitsteilung werden unsere Bedürfnisse heute durch andere und durch die Leistung von Maschinen und Dienstleistungen versorgt, damit wir leben können. Das Recht auf Leben kann einem niemand nehmen, denn wir sind alle gleich, weil wir Menschen sind. Das Recht auf ein Grundeinkommen für alle ist nichts anderes als das zeitgemäße Recht auf Leben. Denn erst mit einem Einkommen sind wir heute in der Lage zu leben und für die Gesellschaft tätig zu werden!


Souveränität – Menschenwürde - Demokratie
Existenzielle Abhängigkeit vom Einkommen macht den Bürger unmündig. Denn Wahlfreiheit existiert heute faktisch bei der Arbeitsplatzwahl nicht, weil Arbeitsangebote knapp sind und existenzielle Not und Gesetze die Bürger dazu treiben, jede Arbeit annehmen zu müssen. Wir alle, Manager, Handwerker oder Altenpfleger sind abhängig von wirtschaftlichen Zwängen. Und es scheint so, als könnten wir ihnen nicht entrinnen. Durch ein Grundeinkommen, das die kulturelle Existenz sichert, hätten alle bessere Start- und Verhandlungspositionen. Diese wirtschaftliche Sicherheit aller Bürger würde bestehende Machtverhältnisse verändern, da niemand mehr gezwungen wäre, unter miserablen Bedingungen zu arbeiten.
Ein Grundeinkommen schafft Freiheit für alle Bürger und damit ein reales  Recht auf ein  „Nein“. Durch wirtschaftliche Sicherheit wird der Bürger erst souverän und kann frei als Mensch und mit Würde entscheiden, welche Aufgaben er in der Gesellschaft übernehmen kann und will. Warum investieren wir nicht in die Freiheit und Selbständigkeit des Individuums, anstatt dieses zu kontrollieren und zu stigmatisieren? Ist das Individuum nicht Grundlage unserer Demokratie? Und lebt nicht die Vielfalt unserer Kultur von dem freien Engagement des freien Menschen?


Was ist Arbeit?
Heute gilt als Arbeit, wofür man bezahlt wird. Und es scheint so, als sei die Arbeit auch nur dann etwas wert, wenn man dafür Geld erhält. Doch was wäre unsere Gesellschaft ohne freie Initiative, ohne ehrenamtliche Tätigkeiten? Es gäbe keine Nachbarschaftshilfe, keine Vereine, keine Mütter oder Väter, die für Ihre Kinder sorgen, keine Familien, kein Ehrenamt.
Sind es nicht die sozialen Tätigkeiten, durch welche eine Gruppe erst zur Gemeinschaft wird, weil der Einzelne sieht, was dem anderen fehlt und er dadurch motiviert ist zu handeln?
Diese Tätigkeiten können nur ausgeübt werden, wenn ein Einkommen da ist. Ein Grundeinkommen stärkt und würdigt alle freien und sozialen Tätigkeiten und stärkt so die Gemeinschaft und das Individuum - den Menschen.

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