Die da oben

Ägypten Nil

Wenn jemand über "die da oben" spricht, dann sind meist Politiker oder Reiche gemeint, zu denen sich derjenige ins Verhältnis setzt, der "die da oben" meint. Gleichzeitig sagt derjenige auch über sich etwas aus, dass er "der da unten sei", der kleine Mann. Und häufig hört man die Klage des "kleines Mannes", dass es niemanden interessieren würde, was er denkt und "die da oben" schon gar nicht. Diese  selbstsuggerierte Unmündigkeit des "kleines Mannes", welches sich auch äußert in Formen wie "das werden die nicht zulassen" oder "das schaffst Du nie" kann als Vorurteil sich selbst und anderen gegenüber enttarnt werden - häufiger als es als Argument gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen auftaucht.

Die da oben, an der Spitze der Pyramide, welche früher teilweise vergoldet war - die Spitze - sind nur da oben oben und vergoldet, weil es andere gibt, welche die Basis bilden, dass eine Pyramide ent-stehen kann. Joseph Beuys nannte diese Hirarchie die autoritäre Trompete. Nur einer kann reinblasen, in die Trompete, aber alle anderen müssen mitklingen, sonst kommt kein Ton raus. Das haben die Menschen in Ägypten gemerkt, dass nicht alles so lange wären muss wie die Steinpyramiden im eigenen Land. Und dass es ihrem Willen entspringt, ihre Lebensverhältnisse mit- und umzugestalten, anstatt gestaltet zu werden.

 



Und was haben wir gemerkt? Wir, die wir uns sorgen, um die Stabilität im Nahen Osten, der Rohstoffversorgung wegen. Wir, die wir immer noch rätseln, ob der Mensch einen freien Willen habe, manchmal medialen Rattenfängern wie Sarrazin glauben schenken, dass der Mensch ein genetisch determiniertes Reiz-Reaktions-Wesen sei. Wir WestMedienMenschen halten jeden Moslem für einen potentiellen Terroristen, den Islam nicht für demokratiefähig und die bundesdeutschen Bürgerinnen und Bürger nicht für grundeinkommensfähig. Ein Blick in die Vergangenheit?

Blick ist zuviel gesagt. Denn es suggeriert ein klares Bewusstsein. Urteile entstammen einem klaren Bewusstsein und setzen genaue Beobachtungen voraus. Vorurteile sind dem Bewusstsein gegenüber eher wie Träume, welchen der Wirklichkeitssin mangelt. Was sehen wir in Ägypten? Tausende von friedlichen Ägyptern, gewaltfreie Demonstrationen Wochen lang, tausende von betenden Moslems auf ihren bunten Betteppichen auf dem Tahirplatz in Kairo - und an ihnen vorbei fließt der Nil, durch eine fast völlig pflanzenleere Sandwüste, in der Schlangen und Skorpione leben und die auf Kamelen durchquerrt werden kann. Jeder zweite Ägypter kann weder schreiben noch lesen.

Unsere MitWeltBürger, die Menschen in Ägypten, richten ihren Blick nach vorn, weil sie eine Vision haben und Mut. Für sie gibt es kein "die da oben",  kein "das werden die nicht zulassen". Sie fühlen sich als Bürger, weder über, noch unter anderen stehend. Selbstbewusst überwinden sie das Untertanentum, was hierzulande auch eine Aufgabe erscheint.

Nicht Mubarak ist von der alten, brüchigen und staubigen ägyptischen Pyramide gestiegen. Das ging nicht mehr, denn die Bürger haben die Pyramidenform aufgelöst. Er fiel, weil er den Boden unter seinen Füßen verlor. Die Träger des Pharao Mubarak, die Ägypter, haben sich als Bürger nicht nur selbst erkannt, sondern auch als solche gehandelt. Sie haben für einen wichtigen Teil der Menschenwürde gestritten, für die Mitgestaltung in ihrem Land, für Demokratie.

Der Sturz von Mubarak in Ägypten hat mehr mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens gemein, als es zunächst den Anschein hat. Bei der Frage nach einem Grundeinkommen dreht es sich nur vordergründig und scheinbar um Geld. Im Grund stellen sich Fragen nach der sozialen Gestaltung von Gemeinschaften und den Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen. Voraussetzung dafür ist durch Denken begründete An-Erkennung jedes Menschen und dessen Tätigkeit. Im Denken liegt die revolutionäre Kraft, was Staaten und die gesammte Erde umgestalten kann.

Die Menschen in Ägypten und der gesammten arabischen Welt, welche die Demokratiebewegung ergriffen hat, handeln in Würde. Sie jammern nicht über "die da oben". Sie machen alte und erstarrte Formen flüssig und ihren Museumsdirektor überflüssig. Es sind Gestalter der Zukunft. Danken muss man ihnen, weil sie unsere Denkgewohnheiten irritieren und wir nun genauer hinsehen, dorthin, wo uns vieles bisher fremd war. Danken, weil sie eine Stimmung des Aufbruchs erzeugen und uns zeigen, was alles geht, von dem wir gerade noch dachten "ob das man gut geht?".

Frank Thomas

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Mitteilungen

Mubaraks Milliarden gehören der ägyptischen Bevölkerung

Unterstützen Sie den Aufruf an alle Ländern der Erde, die von Mubarak angelegten Milliarden aufzuspüren und der ägyptischen Bevölkerung zukommen zu lassen.

 

Militärregierung bittet EU um Sperrung von Konten, Spiegel
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745563,00.html

Schweiz sperrt alle mutmaßlichen Vermögen von Mubarak, AFP
http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5gt_Y_cetDKbiwX7b_ePlo...

Die Milliarden der DiktatorenMubarak ist kein Einzelfall, N-TV
http://www.n-tv.de/politik/Mubarak-ist-kein-Einzelfall-article2618376.html

Jagd auf Mubaraks Milliarden – sein Clan plünderte Ägypten, Wiener Zeitung
http://www.wienerzeitung.at/default.aspx?tabID=5370&alias=Dossiers&cob=5...

Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption:
http://www.admin.ch/ch/d/as/2009/5467.pdf 

Werner unterstützt ägyptische Bürger

Auch Götz Werner hat die Menschen in Ägypten bereits unterstützt. Aber bereits vor Jahren
http://www.boulevard-baden.de/lokales/nachrichten/2011/02/16/lehrstunde-furs-leben-im-gepack-322599

Empört Euch!

Empört Euch! Ein Mutbuch für Bürger von Stéphane Hessel
http://www.readers-edition.de/2011/02/10/empoert-euch-nun-auch-auf-deutsch-etwas-fuer-mut-buerger/

Ägyptischer Blogger von Militärgericht verurteilt

Der ägyptische Blogger Maikel Nabil Sanad wurde von einem Militärgericht für schuldig befunden, das Militär beleidigt, falsche Informationen veröffentlicht und die öffentliche Ordnung gestört zu haben, berichtet die Organisation Reporter ohne Grenzen.

 

 

Ägypten will Internet-Abschaltungen erschweren

Bisher können die zuständigen agyptischen Behörden Internetprovider und Mobilfunkbetreiber anweisen, ihre Dienste in Krisenfällen einzustellen. Die zukünftigen Regeln für Kommunikationsgesetze, sollen sich an den Regeln demokratischer Ländern orientieren und nicht die Rechte der Bürger auf Informationen einzugrenzen oder ihre Sicherheit  gefährden. Quelle

Ägyptens Militärrat lehnt angeblich Rücktritt der Regierung ab

Seit Wochen kommt es vor der israelischen Botschaft in Kairo immer wieder zu Demonstrationen. mehr

"Unsere Revolution ist noch nicht zu Ende"

In "Forbidden" zeigt Amal Ramsis die absurden Verbote der Mubarak-Ära. Im Interview erzählt sie, warum sie es als Filmemacherin in Ägypten immer noch schwer hat. mehr

Ägyptens Jugend revoltiert gegen Militär-Machthaber

Kurz vor den ersten freien Parlamentswahlen gleicht Ägypten einem Pulverfass. In Kairo eskaliert die Machtprobe zwischen Armee und Demonstranten, im blutigen Kampf um den Tahrir-Platz starben elf Menschen. Die Opposition verdächtigt den Militärrat, die Ausschreitungen zu provozieren.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798886,00.html

Bilder vom Tahrir Platz

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